Archiv der Kategorie: Glossen

Wir sollten uns mal langsam wieder auf die Wurzeln zurück besinnen, darauf, dass Reisen beschwerlich ist. Das ist kein Ponyhof, was man sich da antut. Nur die Harten überstehen die Beschwernisse des Von-Zuhause-weg-seins. Das steckt niemand so einfach weg. Stunden um Stunden in Schlangen stehen – nein, nicht auf Schlangen, das wäre ja noch erträglich – in den Biestern!
Die Kleidung ist das wichtigste. Für’s erste. Zweckmäßig, wasserundurchlässig, kugelsicher. Impfungen, ein ganz wichtiger Punkt. Niemand möchte schwanger von einer Mücke gebissen werden. Auch Nichtschwangeren tut so etwas in der Regel nicht besonders gut. Von keinem Tier, übrigens. Besonders unangenehm ist es, wenn große Fische an einem herumkauen. Von Reisen ist generell abzuraten. Zuhause hat man alles. Eine Schrankwand. Eine Einbauküche. Einen Ehegatten…, okay, wo soll es hingehen?!

Urlaubsliteratur

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Witziges rund ums Verreisen in kleinen Geschichten.

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Paul der Penner

Wie das Leben so spielt

Warum paul Penner geworden ist

Paul der Penner Copyright by Wolfgang Hoffmann

Paul der Obdachlose, ihn hat es wirklich gegeben, in Berlin, in den 70iger Jahren. Er war beliebt, weil er nicht gestohlen hat, weil er seine Flasche hat herumgehen lassen, weil er anderen aus seiner Zunft behilflich war. Die ‚Bombe‘, die Literflasche Lambrusco war es dann auch, die ihn umgebracht hat. Seine Beerdigung fand in Anwesenheit vieler seiner Berber Freunde in Berlin statt. Prominenz war ebenfalls anwesend

Was man tun kann

Seither ist einiges passiert in der Öffentlichkeit. Der Sänger und Showmaster Frank Zander lädt jährlich zur Weihnachtsgans und rückt so die Hilfe für Obdachlose in den Focus der Öffentlichkeit. Die Obdachlosenzeitung findet Förderer aus Kunst, Politik und Gesellschaft. Der Penner ist nicht mehr nur noch Alkoholiker, er ist auch inzwischen als Opfer anerkannt. Diese Meinungskorrektur orientiert sich auch an der Einsicht des Gutbürgertums, dass es tatsächlich Ereignisse im Leben eines Jeden geben kann, die einen aus der Bahn werfen.
Unter dem Aspekt sollte man einen Obdachlosen, einen Penner anschauen, und wirklich mal hinsehen. Und wer genug gesehen hat, steckt so einem auch mal einen Euro in die Hand und hat ein nettes Wort oder auch nur ein Lächeln für den Menschen übrig.

Abgaswerte

Tagesaktuelle Themen,

Schummeln bei Abgaswerten

Paul der Penner Copyright by Wolfgang Hoffmann

 die in den Medien erscheinen werden mangels Zeit gar nicht mehr alle wahrgenommen. Man verlässt sich zunehmend auf die allgemeine Meinung, lässt diese an den gemerkten Schlagzeilen kondensieren und folgt dem Mainstream.

Wie auch? Die Fülle der Nachrichten, was alles in der großen, weiten Welt los ist, übersteigt jegliche Möglichkeit, diese zu verarbeiten. Man hat eh genug selbst Probleme, beruflich, persönlich. Wie soll man da noch Muße finden, sich mit der Flut von Flüchtlingen zu beschäftigen. Das soll gefälligst die Politik regeln. Und wenn sie es nicht zur Zufriedenheit regelt, dann folgt man dem Mainstream, der sowieso immer irgendwelche Köpfe rollen sehen will.

Eigene Meinung, wie denn?

Dazu muss man erst alles lesen, alle TV Sender gucken, alle Radiosender hören. Nicht nur die nackte Message ist da maßgebend für eine eigene Meinung, Kommentare müssen ebenfalls aufgefasst werden. Die Betroffenen müssen auch ihre Sicht der Dinge darstellen dürfen. Wann, bitteschön?

Obdachlose haben Zeit

Paul ist Penner, ein Mann der Straße. Er lebt schließlich dort. Obdachlos, aber mit viel Zeit. Und die verbringt er vornehmlich mit Lesen. Zeitungen findet er genug. Weggeworfen nach flüchtigem Konsum, findet Paul seinen Zeitvertreib. Und er sieht die Dinge manchmal naiv, manchmal philosophisch, in jedem Fall aus seiner Sicht und nicht immer konform mit der öffentlichen Meinung, – die man ja bekanntlich Mainstream nennt.

Meinungsbildung auf der Parkbank

Paul vermittelt andere Erkenntnisse in seinem Leben abseits des Konsums. Paul hat nicht von allem Ahnung, aber er bildet sich gerne eine Meinung. Er besitzt kein Smartphone, hat aber sein Ohr am Puls der Zeit. Unmittelbar reflektiert er Nachrichten, später, als die anderen, weil er ja auf die Tageszeitungen angewiesen ist, und die hinken zeitlich etwas hinterher. Aber dafür erhält er die Sensationen besser aufbereitet, kann sich zeit nehmen beim Konsum und wird nicht in seiner Meinungsbildung am Nasenring durch die News gezerrt. Zeit, das ist es, was Paul auf seiner Parkbank satt hat. Und das merkt man auch an seinen Kommentaren zum Zeitgeschehen. Er blickt in Ruhe durch. Und er nimmt sich Zeit, zu hinterfragen.

Hochzeitsreise

Warum ich seit Wochen nicht mit meiner Tochter rede?

Sie fing eines Tages unvermittelt davon an, als wir zufällig mal alle zusammen saßen, dass sie ja eh nur im Ausland heiraten würde. Ich schlug spontan vor, mir den jungen Mann doch einmal vorzustellen, der seit längerem in ihrem Zimmer zu wohnen schien.
Meine, seit etlichen Jahrzehnen Angetraute hatte nicht zugehört. Sie schien anderen Gedanken nachzuhängen.
„Frau, was sagst du zu den lotterhaften Verhältnissen in unserem Haus?“
Sie verdrehte die Augen und seufzte: „Ich möchte auf einer einsamen Insel heiraten“.

Bei allem, was ihre Idee für mich hätte irgendwie reizvoll erscheinen lassen können, hatte ich überhaupt keine Lust, jeden Abend alleine Zuhause zu sitzen und brachte mich schleunigst zurück in Erinnerung: „Wer auch immer der Neue sein mag, hast du ihm gesagt, dass du bereits mit mir verheiratet bist?“
Meine Frau meinte nur: „Dummkopf! Wovon rede ich seit Monaten?“
„Garage aufräumen?“ Fragte ich.
„Silberhochzeit“ rief sie. „Nächstes Jahr sind wir 25 Jahre verheiratet. Man könnte sich doch noch einmal richtig trauen lassen.“

Ungeachtet dessen, dass es wirklich nett gewesen wäre, wenn mir in der langen Zeit jemand gesagt hätte, dass wir gar nicht richtig verheiratet waren, wusste ich wirklich nicht so recht, was ich darauf hätte antworten können. Und so beließ ich es bei einem zugegeben nicht sehr intelligenten „…äh“ und einem verstörten Blick.

Hochzeitsreise, Flitterwochen, Heiraten im Ausland, Treueschwur erneuern

Meine Frau fing an aufzuzählen, was es alles für Möglichkeiten gäbe für Ehepaare, ihre Liebe neu aufzufrischen, ihren Treueschwur zu erneuern:
„Der Kapitän eines Traumschiffs könnte uns trauen. Oder, auf den Bahamas, nur der exotische Sternenhimmel als Trauzeuge!“
Es gäbe tolle Hochzeitsarrangements mit Allinclusive. Da würde man mit einer Stretchlimousine vom Luxushotel zu einer kleinen, weißen Kapelle gefahren.
„Oder auf Sri Lanka mit einem echten Guru und Elefanten am Strand“. Sie seufzte lang und anhaltend.
„Das können wir leider nicht machen“, sagte ich mit traurigem Dackelblick. „Deinen Eltern würde es das Herz brechen, wenn sie nicht dabei sein können.“
„Die nehmen wir mit“, jubelte meine Frau nach kurzem Zögern. „Die kommen einfach mit.“

Seitdem rede ich nicht mehr mit meiner Tochter.

New York

20 Dollar

Dass ich tagelang mit einer Halskrause rumrennen musste, hat meine Freunde und Arbeitskollegen irritiert. „Autounfall?“ Die naheliegendste Frage. Und wenn ich dann antwortete „New York“, mutmaßten die meisten, dass ich zusätzlich noch schwer mit dem Kopf irgendwo angeschlagen sein musste.

Nein, mein Nackentraume habe ich von 3 Tagen New York. Ernsthaft! Ich weiß nicht, ob Sie schon mal in dieser Stadt gewesen sind? Ich war da.
Meine allerbeste, irgendwie nur mögliche Ehegattin meinte bereits am Kofferband von JFK, dass wir in New York feilschen müssten, wie die Araber. Bekanntlich seien alle New Yorker Taxifahrer entweder indischer oder arabischer Herkunft und somit Gangster. Ich solle gefälligst als Mann die Verhandlungen übernehmen.
Draußen bei den Taxis fassten mich etliche Männer am Arm. Ich nahm den, der am festesten zudrückte.  Der Gangster entführte uns für 5 USD zu einem sogenannter „Dispatcher, einem selbsternannten Taxi-Zuteiler“, vermutlich indischer oder arabischer Herkunft.
„20 Dollar?“ sagte ich mit fester Stimme zu ihm. Worauf dieser die Hand aufhielt.

Another 20 USD

Quarter Dollar Münze

Meine allerbeste, irgendwie nur mögliche Ehegattin hat keine Halskrause. Nachdem sie auf der Straße eine Vierteldollarmünze gefunden hatte, hielt sie den Kopf im Gegensatz zu mir gesenkt

Meine Frau und ich bestiegen das erste Taxi in der Schlange, in dem es exotisch roch, das Bild von einem indischen Guru am Rückspiegel hing, arabische Musik dudelte und einige Palmen und Schlingpflanzen wuchsen.
Ich erinnere mich, obwohl es heller Tag war, fuhr das Taxi eigentlich im Stockdunkeln. Ab und an blitzte mal etwas Sonnenlicht zwischen steil aufragenden Hauswänden auf. Wenn man uns Kapuzen übergezogen hätte, wäre es auch kein Unterschied gewesen. Verschiedene Aussichten kamen uns während der gefühlt wochenlangen Fahrt vor, als wären wir bereits zum hundertsten Mal dran vorbeigefahren. Aber man kann sich irren. Wir fuhren durch Tunnel, über Brücken, standen in Staus, und wir kamen dann auch schließlich irgendwo an. Der indische Araber erhielt den mit niemandem im Vorfeld vereinbarten utopischen Fahrpreis, zusätzlich der Maut für diverse Brücken und Tunnel, und er zeterte auf Arabisch für ein zusätzliches Trinkgeld, in Höhe von nicht weniger, als 20 Dollar, also so viel, wie wir dem Dispatcher gegeben hatten. Wofür eigentlich?
Jedenfalls stiegen wir vor dem Hoteleingang aus, gaben dem arabischen Kofferträger 20 $, dem indischen Boy für Valet Parking 20 $, im Zimmer angekommen waren unsere Dollarbanknoten allesamt weg und vermutlich auf dem Weg zum indischen Subkontinent oder auf die arabische Halbinsel.

The last 20 $ buck

Den Rest unseres New York Aufenthalts verbrachte ich damit, meinen Hals zu recken, den Himmel zu suchen, an den steil aufragenden Hauswänden hoch zu starren, die Spitzen der Wolkenkratzer da oben zu bewundern. Damit meine Frau nicht sehen konnte, wie ich mich schäme. Davon hatte ich den steifen Nacken.

Mottourlaub

Ob wir ein Motto hätten, wonach wir verreisen würden, sind wir mal im Reisebüro gefragt worden. Wie das gemeint sei, habe ich zurück gefragt. Ja, ob wir immer das Gleiche wollten, Sonne, Strand, Meer, gutes Essen?
„Wie jetzt? Etwa irgendwas mit miserablem Essen?“ Nein, ob wir uns vorstellen könnten, mal etwa unter einem bestimmten Motto zu machen, etwa ein Thema abzureisen.

Solche Momente sind es immer, wo meine allerbeste, verfügbare Ehefrau und ich uns anschauen und uns fragen, ob wir bei „Versteckte Kamera“ gelandet sind.
„Linksdrehender Urlaub, Feng Shui Hotels, Abenteuerflüge, Selbstverpflegen unter Wasser?“ hörte ich mich fragen.

Es gäbe wirklich spannende Themenreisen mit denen wir einem Urlaub eine ganz eigene, Erinnerung geben könnten, ein Abenteuer sozusagen, nicht das Übliche. „Hatten wir schon“, winkte ich ab, „Vulkanaschewolke, Vulkanausbruch auf Island. Wir waren auf Mallorca und kamen beinahe nicht zurück“.

Das sei nicht gemeint. Zum Beispiel gäbe es Gruppen Gleichgesinnter, die eine vielleicht Kreuzfahrt machen würden, zum Beispiel, wenn sich irgendwo auf der Erde die Sonne verfinstere.
Ich wollte gerade wieder anfangen, zu witzeln, aber aus dem Augenwinkel bemerkte ich noch früh genug, wie der Blick meiner Frau sich verdunkelte. Sie schaute interessiert unsere Expertin für Abenteuerurlaub an, legte ihr Haupt leicht in die für sie dafür typische Schräglage und bekundete so, dass sie nicht abgeneigt wäre, mehr darüber zu erfahren.
Unsere Reisefee legte uns diverse Kataloge und Prospekte vor, unter anderem einen von einem Herrn Jochen Schweizer, von dem ich eigentlich immer angenommen hatte, dass der ein Menschenfreund sei und lieber Knochenbrüche eingipsen würde, als für deren Entstehung verantwortlich zu sein: Outdoor-Erlebnisse, mit dem Heißluftballon über Kapadokien, Exotische Küche erlernen, Golfschnupperkurs, Stehpaddeln in den Katakomben von Paris. In jedem Fall Erfahrungen, von denen man noch lange zehren könne, wenn man wieder Zuhause sei. Man müsse ja schließlich auch was im Freundeskreis beitragen können, was nicht jeder erlebe. Und außerdem, man verändere sich selbst dadurch auch positiv.

Ausgerechnet, wo ich im Urlaub selbst das Spätaufsteherfrühstück regelmäßig verpasse und tagsüber lieber am Pool faulenze. Ob es vielleicht einen Tarnkappenurlaub gäbe, damit uns die Hotelanimateure am Strand in Ruhe lassen würden? Fragte ich. Meine Frau boxte mir ihren Ellbogen in die Rippen. Die Reisehexe und meine mir für alle Ewigkeiten Angetraute gingen einen sarkastischen Pakt ein. Nein, einen Pauschalurlaub unter dem Thema ‚Knigge für Anfänger‘ gäbe es leider nicht, wurde mir beschieden. Aber die Themenreise‚ Mord im Orient Express‘ sei neu aufgelegt worden, zischte mir meine Gattin zu.

Frauen!

Cocktailkunde

CaipirinhaHappy hour

Alles für die Hälfte. Vom Aperitiv über den Suggestiv zum Digestif. Und zwischendurch den Tischwein zum Dinner.
Happy hour . Wie elektrisiert strömen die Gäste pünktlich in die Bar, lassen sich ekelhaft süße oder tödlich starke Cocktails mixen, die in ihren Behältnissen, ihren Schirmchen, Grünbeilagen, Trinkhalmen und sonstigen Firlefanz aussehen, wie psychedelische Drogen.

Vesper oder B52

Und weil alles bei Happy hour so schön preiswert ist, pfeift man sich doppelt soviel rein, doppelt so viel, wie man gemeinhin vertragen könnte. Die Stimmung wird unkalkulierbar. Eine Gruppe englischer Ladies fällt rücklings in den Pool. Opa Collins bandelt mit der Animateurin an, die hilfesuchend versucht, am Barkeeper hochzuklettern. Aber oben wartet bereits Oma Collins, die nach dem vierten Caipirinha nicht mehr ganz sicher ist, ob sie Männlein oder Weiblein ist.
Ein Rudel holländischer Spaßvögel vertauscht johlend die Drinks an der Bar. White Russian findet sich in Manhatten wieder, Zombis haben Sex on the Beach, Margarita ist Sour, weil ihr Martini mit Mai Tai etwas Cosmopolitan ist und sich den sechsten Orgasmus teilen. Und warum der Straßenbahnfahrer aus dem Ruhrgebiet mit der Bloody Mary im Arm „bitte durchrücken“ lallt, das erschließt sich erst, wenn man erfährt, dass er bereits den siebten Screwdriver intus hat.

Kamikaze blue

Überhaupt ist die Nomenklatur von Cocktails eine illustre Ergänzung für ihr Aussehen. Ein blaugrün leuchtendes Getränk stellt sich als hochprozentiges Gemisch von weißem Rum, Blue Curacao, Kokossirup und Zitronensaft heraus. Drei von diesem sogenannten Electric Blue und ein durchschnittlicher Erwachsener verlängert seine persönliche Happy hour für Stunden im Bett. Noch heftiger kommt ein Blue Velvet rüber, in dem Blue Curacao einer Symbiose aus trockenem Vermouth und Gin die warnende Farbe gibt.

Last Word

Für die ganz Vorsichtigen gibt es die harmlosen Varianten mit vielen Obstsäften und einem Tröpfchen des blauen Likörs. Aber das ist ja nicht Sinn der Happy hour. Sinn ist es, die Hotelgäste zu einem bestimmten Zeitpunkt zu versammeln und ihnen den Weg in einen langen, geselligen Abend zu bereiten. Und da passt die Farbe Blau ganz gut zu.

Cluburlaub

Man glaubt immer, über den Charakter der Anderen urteilen zu können, aber selbst kennt man sich wohl doch am wenigsten. Lesen Sie selbst:

Diese Reaktion hätten Sie sehen müssen: Vier Augenbrauen waren gleichzeitig hochgegangen, zwei Blickpaare hatten mich süffisant gemustert. Meine Frau und meine Tochter wollten unbedingt wissen, welche Erfahrungen ich denn irgendwann mal mit alleinreisenden Schülerinnengruppen gemacht hätte. Dabei hatte ich nur reagiert, wie jeder Vater reagiert, wenn die eigene Tochter sich einen Katalog für Jugendreisen aus dem Reisebüro mitbringt.
Nun ja, den Satz, „Kommt überhaupt nicht in Frage, ich weiß genau, was ihr da machen wollt, wenn ihr Jungens und Mädels unter euch seid, ohne Aufsicht“, hätte ich mir wirklich sparen können.
Jedenfalls war ich aus der Nummer nur wieder rausgekommen, weil ich einem gemeinsamen Cluburlaub zugestimmt hatte. Die ganze Familie. Alle gemeinsam in eine Clubanlage.

Ausgerechnet! Ich, der unter Urlaubmachen die Einsiedelei in einem einsamen Erdloch im Hunsrück versteht. Ich, der ich an Ungeselligkeit allerhöchstens noch von den Eingeborenen der Andamaneninseln übertroffen werde. Ich, der ich mit den vor 52 Jahren eingezogenen Nachbarn noch nicht ein einziges Wort geredet habe, außer einmal, als der Sturkopp mich wegen des Gartenzauns verklagen wollte und ich nicht an mich halten konnte, ihm ein Schimpfwort zuzurufen. Der Arsch!
Ich… 14 Tage Cluburlaub. Mit wildfremden Menschen, denen ich womöglich noch auf ihre völlig verblödeten Fragen antworten müsste, was ich denn sonst so machen würde, oder welche Automarke ich denn führe.
An viel kann ich mich auch jetzt noch nicht erinnern. Unser Zimmer hatten meine mir Angetraute und ich fast nie zu Gesicht bekommen, unsere Sprösslinge glaube ich, auch erst wieder auf dem Rückflug gesehen zu haben. Aber meine Gattin meinte noch lange danach, jedem erzählen zu müssen, wie ich, ihr Gemahl, auf einmal aufgeblüht sei. Beim Kochkurs, hätte sich in mir ein wahrer Sternekoch entblättert. Deshalb darf ich jetzt auch noch jeden Sonntag Frühstück machen! Beim Sackhüpfen sei ich zwar der Älteste gewesen, aber niemand habe mich bei den zahllosen Turnieren, die ich dann letztlich sogar selbst angesetzt hatte besiegen können.
Aber das Beste, sei gewesen, wie ich beim Clubkarneval den Karaokewettbewerb gewonnen hätte. Dabei konnte ich vorher gar nicht singen.
Wir treffen uns mit den anderen Clubgästen übrigens alle 4 Wochen immer noch, turnusmäßig bei uns oder bei einem von ihnen. Keine Ahnung, wo wir uns nächstes Mal treffen.
Aber von Jugendreisen hatte ich ja schließlich auch keine Ahnung.

Wer seine Clubfähigkeit selber testen möchte, oder wer eine Jugendreise für seine Sprösslinge buchen möchte, die garantiert jugendfrei ist, sollte sich an die Fachleute wenden, die selber jung geblieben sind oder zumindest Ahnung haben, wo sich diese Jungbrunnen für Urlauber befinden.

Trekking vor 5.300 Jahren

Wundertätige Körner aus dem Seitenbach

Geführtes Trekking ist eben nicht jedermanns Sache. Nein, er wolle sich nicht einer geführten Gruppe anschließen, habe der eigensinnige Mann damals gemeint. Nun ja, er muss wohl alles dabei gehabt haben, was man für Trekking benötigt. Ein paar Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie, einen Feuerstein samt Zunder und ein Amulett gegen den bösen Blick. Die Bekleidung sei zugegeben etwas dürftig gewesen, keine Markenartikelbekleidung jedenfalls. In seiner letzten Herberge habe man ihn auch eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass es mitunter in den Bergen einen unvermittelten Wettersturz geben könne. Das wüsste er wohl, habe der Mann geantwortet, Er wolle alleine sein und die Naturschönheiten genießen, die unberührten Wälder mit niemandem teilen, eins sein mit den Tieren.
Einen Menschen, der so denkt und fühlt, muss man gehen lassen. Immerhin habe der Mann ja gewusst, wo er am Abend Unterkunft fände, wenn er den Pass überquert hätte. Etwas von dem berühmten Bergsteigermüsli habe man ihm in einem Beutel mitgegeben, so, wie es die Druiden aus Seitenbach geraten hatten. Alle, die dieses wundertätige Müsli mit sich geführt hatten in der Vergangenheit waren angekommen, blieben nicht in Felsspalten hängen, wurden nicht vom wilden Bären angegriffen, waren nicht vom Blitz erschlagen worden.
Die Beschreibung habe man ihm auch noch mit auf den Weg gegeben. Man habe ihm gutes Gelingen gewünscht, ihm auch aufgetragen, er solle sich nicht vom Pfad entfernen und ja die Wegmarken beachten. Man habe ihm so lange nachgeschaut, bis er nur noch ein Punkt in der Ferne gewesen sei.

Mehr als fünftausend Jahre später hat man ihn gefunden. Eingefroren in einem Gletscher des Hauslabjochs. Mumifiziert. Man hat ihn Ötzi getauft und nach Bozen in das Archäologiemuseum gebracht.

Organisiertes Trekking mit einer professionellen Planung und Durchführung hat was für sich! Trekkingreisen z.B. mit Alpinschule Innsbruck oder im Himalaya, da gibt es Spezialisten, die man besser kontaktieren sollte.

 

Golfer-Latein

Kein Abschlag vor Teetime

Die Sprache des Golfspielers mutet dem Laien mitunter martialisch an. So ist ein „Abschlag“ eigentlich nur der Anfang eines Spiels, keinesfalls etwas, womit ich den Mitspieler mit dem „Holz“ oder „Eisen“, wie Golfschläger heißen, verletzen möchte. Allerdings bekommt man als Laie auch den Eindruck, dass Golfspieler etwas abgehoben sind, nennt sich doch die spielende Mannschaft, „Flight“. Und ein „Eagle“, ist zwischen dem „Albatross“ und dem „Birdie“ angesiedelt, ein Loch das mit 2 Schlägen unter der vorgegebenen Anzahl geschafft wird – „Birdie“ eins drunter, „Albatross“, minus Zwei. Alles klar? Nun, als Anfänger – oder sei es auch nur als Gast, tut man gut daran, sich einige Ausdrücke vorher einzuprägen, bevor man aufs „Green“ tritt. So ist „Teetime“ beispielsweise nicht die wohlverdiente Pause, wenn einem Mitspieler sein Ball in einen „Bunker“ geplumpst ist, sondern es ist der Termin, der extra freigehalten wurde, damit einem die Bälle nicht von allen Seiten um die Ohren fliegen.

Neues Handicap nach dem Albatross

„Platzreife“ hat nichts mit überreifen Melonen zu tun, und ein „Kakao“ ist auch nichts, was einen bei kühler Witterung wärmt, sondern lediglich das übelste „Rough“ auf dem „Course“, was man wohl mit der Aussichtslosigkeit übersetzen könnte, seinen Ball jemals wiederzufinden.
Wo der Anfänger keineswegs eilfertig in der Gegend nach neuen Aufgaben Ausschau halten sollte ist, wenn der Begriff „19th hole“ fällt. Das „19. Loch“ ist nämlich die Bar des Clubhauses. Und, bitte, ein „Handicap“ ist keinesfalls die Schutzhülle für ein Mobiltelefon. Es ist vielmehr die magische Zahl, über die am 19. Loch am meisten gelogen wird, ähnlich, wie beim Anglerlatein, aber anders herum, je niedriger das „Handicap“, desto mehr Anerkennung erntet man.

Ganz besondere Menschen haben also ganz besondere Betätigungen. Sollte dem geneigten Leser der Glosse auch nichts besseres einfallen, als arme, kleine, weiße Bälle mit einem Stock solange zu malträtieren, bis sie sich in ein Loch im Rasen in Sicherheit bringen können – die Bälle – so möge er einer Empfehlung des Autors folgend einen Blick auf dieses Platzangebot mit Hotel werfen.

Flugangst

Flugangst, oder, wie man sie nicht in den Griff kriegt!

„Neben wem möchten sie im Flugzeug nicht sitzen?“ So werden Prominente manchmal gefragt. Einige nennen – mit Recht – Dieter Bohlen. Andere entscheiden sich für Godzilla.Ich würde auf keinen Fall neben jemand sitzen mögen, der Flugangst hat. Das sind die Typen, die im Flughafen schon stundenlang am Fenster stehen und den Boden unter der Maschine nach verdächtigen Ölflecken absuchen. Natürlich steigen die dann in eine völlig andere Maschine ein, als die, die sie gründlich durchgecheckt haben. Im Flieger erkennt man sie an ihrem langem Hals, halb in ihrem Sitz sitzend, halb stehend und ängstlich um sich guckend, ob jemand einen Geigenkasten als Handgepäck hat und finster unter buschigen Augenbrauen dreinblickt. Wenn jemand auch nur niest, stoßen diese Phobiker spitze Schreie aus oder fallen mit einem finalen Seufzer in Ohnmacht.

Die Angstsäufer aber, die machen einen Flug wirklich zum Stress. Von der Stewardess erwarten solche Typen direkt die ganze Flasche Cognac. Ständig versuchen sie dann einem ihre Lebensgeschichte zu erzählen, von der sie unbedingt erwarten, dass diese just bei diesem Flug endet. Zu allem Überfluss sind die in der Regel auch noch mit einem begnadeten Gehör ausgestattet. „Da! Haben sie das gehört?“ ist eine ihrer Standardfloskeln, mit der sie eine La-Ola-Welle der Angst durch die Sitzreihen jagen.

Ganz übel müssen auch die Beter sein. Besonders krass wird es, wenn dann unter gemurmelten Mantras diverse Devotionalien oder Opfergaben ausgepackt werden. Neben derartigen Typen zu sitzen, womöglich auch noch auf einem Fernflug, das muss der absolute Horror sein. Meist holen diese Typen dann auch noch die Bilder ihrer Lieben aus der Brieftasche und betrachten sie schluchzen Und das in 10 Kilometern Höhe, knapp unterhalb der Stratosphäre, in einer hermetisch verschlossenen Aluminiumkiste! Also, ich gehöre ja zu den Typen, die während des ganzen Flugs da sitzen, wie unter einer Dusche schwitzend und stumm ihre Lebensversicherungspolice studieren.
Neben mir möchte ich im Flugzeug auch nicht gerade sitzen!